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Praxis: Erstellung und Nutzung von OER

Neben der Entwicklung einer OER-Strategie und der Schaffung staatlicher Rahmenbedingungen sollte die öffentliche Hand auch aktiv die Erstellung und Nutzung von OER unterstützen, die nicht direkt oder mittelbar in den Einrichtungen der öffentlichen Hand entstehen. Mit der Entscheidung, zwei Millionen Euro im Jahr 2015 und weitere fünf Millionen Euro an Verpflichtungsermächtigungen als erste Anlaufbeträge für OER im Haushalt des BMBF bereitzustellen[16] wird der richtige Weg eingeschlagen. Mit öffentlichen Geldern (ko-)finanzierte Bildungsmaterialien sollten grundsätzlich unter offener Lizenz, in offenen Formaten sowie mit den notwendigen Metadaten veröffentlicht werden.

Darüber hinaus empfehlen wir, OER-Angebote gezielt zu fördern, d. h. ausreichend Mittel zur Verfügung zu stellen, um bestehende und neue Aktivitäten zu ermöglichen und auszubauen. Ein besonderes Augenmerk sollte dabei auf der Förderung von zivilgesellschaftlichen Initiativen liegen.[17] Unmittelbare Tätigkeiten, die im Rahmen solcher Förderungen unterstützt werden sollten, sind die Erstellung und Verbreitung von freien Bildungsmaterialien in allen Bildungssektoren. Dies umfasst sowohl Angebote, bei denen OER oder geeignete OER-Sammlungen erstellt werden, als auch Informations- und Weiterbildungsmaterialien zu OER, beispielsweise OER-Plattformen für spezielle Fachgebiete. Für OER-Nutzung eintretende Lehrende und Gruppen sollten durch Stipendien und Auszeichnungen in ihrer Arbeit unterstützt werden und Anerkennung erhalten können. Ebenfalls sinnvoll wäre eine Koordinierung der politischen Bemühungen um OER mit denen zu anderen “Open”-Entwicklungen (wie z. B. Open Access), um Synergien zu nutzen.

An dieser Stelle sei auf ein verbreitetes Missverständnis hingewiesen, durch den Einsatz von OER lasse sich kurzfristig im Bildungsbereich Geld sparen. Die Erstellung und Qualitätssicherung von OER muss finanziert werden, ebenso wie dies bei “herkömmlichen” Bildungsinhalten der Fall ist. Einsparungseffekte aufgrund der geringeren rechtlichen Restriktionen und dadurch bedingte einfachere Weiterverwendbarkeit einmal geschaffener Inhalte dürften durch OER zwar mittelfristig möglich sein, jedoch nur wenn eine nachhaltig ausgerichtete OER-Strategie verfolgt wird.

Auch sollte in die Entwicklung von Freier und Open Source-Software und Infrastrukturen investiert werden, die selbst OER sind oder Nutzende bei allen Arbeitsprozessen rund um OER unterstützen. Dazu gehören Werkzeuge für die Erstellung und Anwendung von OER im Unterricht, für die Verbreitung und Suche von OER sowie für die Neukombination der Bestandteile bereits vorhandener OER (Remix). Ebenso müssen Repositorien für die Speicherung und Veröffentlichung von OER und Werkzeuge zur Integration von OER in etablierte Lernplattformen in den Fokus rücken, wobei insoweit durchaus auf die leistungsfähigen Bildungsserver aufgebaut werden kann.

Das Thema OER ist jung. Zwar gibt es durch OER-Initiativen anderer Staaten[18] sowie durch zahlreiche Akteurinnen und Akteure in Deutschland[19] bereits einen großen Erfahrungsschatz, dennoch bedarf es einer aktiven Koordination und eines Austauschs zwischen vorhandenen und neuen Aktiven. Diese Arbeit könnte ein öffentlich finanzierter OER-Think-Tank oder eine entsprechende Anlaufstelle der KMK übernehmen. Dort könnten Erfahrungen gesammelt und gebündelt, die Vernetzung von Akteurinnen und Akteure unterstützt und OER-Kompetenzen aufgebaut werden, indem Konferenzen und Workshops zum Thema durchgeführt und Forschungsvorhaben zur Weiterentwicklung und Evaluation freier Bildungsmaterialien und den Erfahrungen in unterschiedlichen Initiativen angestoßen und koordiniert werden.

Die Autorinnen und Autoren

Beim Entstehungsprozess des Positionspapiers waren folgenden Expertinnen und Experten eingebunden (in alphabetischer Reihenfolge): Erik Albers, Sarah Behrens, Markus Deimann, Monika Fischer, Helene Hahn, Christian Heise, Sebastian Horndasch, Andreas Karsten, Simon Köhl, Elly Köpf, Valentin Münscher, Jöran Muuß-Merholz, Kristin Narr, Jan Neumann, René Pickhardt, Felix Schaumburg, Sandra Schön, Sebastian Seitz, André Spang, John Weitzmann, Ole Wintermann und Annett Zobel.

Freigabe

Dieses Positionspapier ist freigegeben unter den Bedingungen der Lizenz Creative Commons Namensnennung 3.0 Deutschland (CC BY 3.0 de, Details zu den Bedingungen siehe URL: https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/), wobei als Autorennennung “Bündnis Freie Bildung” ausreicht und der Stand des Papiers mit anzugeben ist. Kopierfähige Vorlage für den Lizenzhinweis: “Bündnis Freie Bildung – Positionspapier (Stand Feb. 2015), freigegeben unter CC-BY-SA 3.0 de”. Sofern die Nutzung offline erfolgt, ist an den Hinweis der URI der Lizenz “https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/” anzufügen.

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[1] Zur Einführung empfehlen wir die Lektüre von: Deutsche UNESCO-Kommission (2013). Was sind Open Educational Resources? Und andere häufig gestellte Fragen zu OER, Bonn, URL: http://www.unesco.de/oer-faq.html (2014-12-01)

[2] UNESCO (2012). Pariser Erklärung zu OER, URL: http://www.unesco.de/fileadmin/medien/Dokumente/Bildung/Pariser_Erklärung_zu_OER.pdf (2014-12-01)
[3] Damit ist z. B. die Namensnennung oder die Weitergabe unter gleichen Bedingungen gemeint.

[4] Eine Lizenz kann nur dann als “offen” bezeichnet werden, wenn sie den Anforderungen der Open Definition genügt. Siehe auch: http://opendefinition.org

[5] Definiert durch die Genfer Erklärung der Europe Open Community (2008), Standards and Future of the Internet, URL: http://www.openforumeurope.org/library/geneva/declaration/manifesto-with-logos-final.pdf (2014-12-01)

[6] Maßgebend sind die von der Free Software Foundation (https://www.gnu.org/licenses/license-list.html) oder der Open Source Initiative (http://opensource.org/licenses) als offene Lizenz anerkannte Lizenzen.

[7] “Die Bildung öffnen: Innovatives Lehren und Lernen für alle mithilfe neuer Technologien und frei zugänglicher Lehr- und Lernmaterialien”, Vgl. Mitteilung KOM (2013) 654 final vom 25. September 2013, einsehbar unter: http://dipbt.bundestag.de/dip21/brd/2013/0709-13.pdf (2014-12-01)

[8] Unter anderem fordert der Ergebnisbericht 2013 der Projektgruppe Intelligente Bildungsnetze des Nationalen IT-Gipfels das Vorschreiben einer freien Lizenzierung bei öffentlich geförderten Forschungsprojekten (siehe http://www.it-gipfel.de/IT-Gipfel/Navigation/mediathek,did=633030.html). Im Papier Nutzen und Anwendungen Intelligenter Bildungsnetze wird darüber hinaus mehrfach auf OER als Mittel zur Verbesserung des Wissenstransfers hingewiesen (http://www.it-gipfel.de/IT-Gipfel/Navigation/mediathek,did=664844.html) (2014-12-01)

[9] Die UN Milleniumskampagne Deutschland (o.J.). Die UN-Milleniumsentwicklungsziele. URL: http://www.un-kampagne.de/index.php?id=90 (2014-12-01)

[10] Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Projektgruppe Zukunftscharta (Hrsg., 2014), Berlin, URL: https://www.zukunftscharta.de/ecm-politik/zukunftscharta/de/home/file/fileId/2864 (2014-12-01)

[11] Dobusch, Leonhard; Heimstädt, Maximilian & Hill, Jennifer (2014). Open Education in Berlin: Benchmark und Potentiale, Berlin: Technologiestiftung Berlin, URL: http://www.technologiestiftung-berlin.de/fileadmin/daten/media/publikationen/140514_Studie_OER.pdf (2014-12-01)

[12] Beitrag auf der Homepage von Saskia Esken vom 14.11.2014, URL: http://www.saskiaesken.de/aktuelle-artikel/digitale-bildung-wird-im-haushalt-erhoeht (2014-12-01)

[13] Berliner Zeitung (2014). Digitale Plattform revolutioniert das Lernen. Beitrag vom 14.5.2014 von Martin Klesmann, URL: http://www.berliner-zeitung.de/berlin/schulen-in-berlin-digitale-plattform-revolutioniert-das-lernen,10809148,27127802.html (2014-12-01)

[15] vgl. Butcher, Neil (2013). A Government Policy Development Template to Progress Effective Implementation of Open Educational Resources (OER), URL: http://www.col.org/SiteCollectionDocuments/OER_CountryPolicyDevelopmentTemplate.pdf (2014-12-01)

[16] Beitrag auf der Homepage von Saskia Esken vom 14.11.2014, URL: http://www.saskiaesken.de/aktuelle-artikel/digitale-bildung-wird-im-haushalt-erhoeht (2014-12-01)

[17] Analog zum Nationalen Aktionsplan der Bundesregierung zur Umsetzung der Open-Data-Charta der G8 in der Verpflichtung 4.6: “Public-Community-Partnership zur Förderung offener Verwaltungsdaten” http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/2014/aktionsplan-open-data.pdf?__blob=publicationFile

[18] Ebner, Martin & Schön, Sandra (2011). Offene Bildungsressourcen: Frei zugänglich und einsetzbar. In K. Wilbers & A. Hohenstein (Hrsg.), Handbuch E-Learning. Expertenwissen aus Wissenschaft und Praxis – Strategien, Instrumente, Fallstudien. (Nr. 7-15, S. 1-14). Köln: Deutscher Wirtschaftsdienst (Wolters Kluwer Deutschland), 39. Erg.-Lfg. Oktober 2011, URL: http://de.scribd.com/doc/67768781/Offene-Lernressourcen-Frei-zuganglich-und-einsetzbar (2014-12-01); einen Überblick über internationale OER-Lehrbücher als E-Books gibt z.B. Vlaj, Gernot (2014). Das OER-Schulbuch. In: O3R-Reihe, Band 8, URL: http://l3t.eu/oer/images/band8_Schulbuch.pdf (2014-12-01), S. 34 ff.

[19] vgl. Weitzmann, John (2014). Offene Bildungsressourcen (OER) in der Praxis. Berlin: Medienanstalt Berlin Brandenburg (mabb), 2. Auflage, URL: http://mabb.de/files/content/document/Foerderung/OER-Broschuere_2.Auflage_2014.pdf (2014-12-01) und für den Schulsektor: Muuß-Merholz, Jöran & Schaumburg, Felix (2014). Open Educational Resources (OER) für Schulen in Deutschland 2014 – Whitepaper zu Grundlagen, Akteuren und Entwicklungen, URL: http://www.collaboratory.de/w/OER-Whitepaper (2014-12-01).

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Aktuelles

Wir haben noch Gutscheine der Bildungsprämie.

Beachten Sie, die Gutscheine sind nach Ausstellung 6 Monate gültig - Wenn Sie also 2019 sich weiterbildungsmäßig pushen wollen, und zwei verschiedene Weiterbildungen machen wollen - z.B. a) einen Kurs für Fußpflege, b) einen Kurs für Handpflege - oder an einer Volkshochschule a) Selbstorganisation (auch kombiniert mehrer Angebote) und b) Libre-Office ... & HomePage-Gestaltung usw.

dann könnten Sie dieses Jahr noch einen Gutschein holen, und im nächsten Jahr 2019 noch einen für den zweiten, unabhängigen Kurs -also in der ersten Jahreshälfte 2019 zusammen max. 1.000 € Förderung realisieren! 

Die Richtlinien zum Bezug der Gutscheine sind wieder viel offener! Checken Sie die neuen Möglichkeiten, rufen Sie an, Vieles klären wir telefonisch ...

-> weitere Info im Menü hier links -> Die Bildungsprämie ....


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